Pfistern gestern

Geschichte

Die Anfänge der Geschichte der Gesellschaft zu Pfistern verlieren sich im 14. Jahrhundert. Die damaligen Rivalitäten zwischen der Obrigkeit und den Handwerkskorporationen waren für die weitere Entwicklung unserer Körperschaft wichtig: Pfistern ging als erste Vennerzunft daraus hervor, aus deren Mitte hinfort einer der vier Venner Berns erkoren wird, und nimmt von nun an in der Hierarchie der Zünfte nach Distelzwang (Gesellschaft der Adeligen) den zweiten Platz ein. Der Venner von Pfistern nahm u.a. die Oberhoheit Berns über das Landgericht Seftigen wahr.

Natürlich behielt Pfistern weiterhin die handwerkliche Aufsicht, allerdings zunehmend als verlängerter Arm der Regierung. Wegen der Vorzugsstellung als erste Vennerzunft war die Gesellschaft attraktiv für Regierende und Leute mit politischen Ambitionen. Dies erklärt, weshalb Pfistern sich „Gesellschaft“ und nicht „Zunft“ (die Mehrheit der Mitglieder waren und sind nicht mehr Vertreter des Handwerks) nennt, heute eine der grossen Zünfte ist und verhältnismässig viele altbernische Geschlechter aufweist. Aus diesen gingen viele prägende Persönlichkeiten hervor, wie zum Beispiel mehrere Schultheissen der Familien von Wattenwyl und von Graffenried.

Bereits im 15. Jahrhundert bekam die Gesellschaft als gemeindeähnliches Kontroll- und Durchsetzungsorgan soziale Aufgaben zugeteilt. Ab 1536 betreute die Gesellschaft das Vormundschaftswesen und die Armenfürsorge für ihre Angehörigen. Diese Pflichten liessen die Gesellschaft zu einer eigentlichen Heimatgemeinde mit den entsprechenden gesellschaftlichen Anlässen werden. Die soziale Tradition des Vormundschaftswesens und der Fürsorge überlebte den Niedergang des Alten Bern von 1798 und ist heute der Grund, weshalb die Gesellschaft zu Pfistern, wie auch die anderen Gesellschaften und Zünfte Berns, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts geblieben ist.

Pfistern ist die einzige bernische Gesellschaft mit einem lateinischen Namen: „Pistor“ bedeutet Müller, Bäcker.